Kühe statt Eulen, Bier statt Wein, Ente statt Schwein Mein Besuch beim awalla Wintermärktchen

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Immer, wenn ich Kreativmarkt höre, muss ich zwangsläufig an Eulen denken. Gestrickte Eulen, gehäkelte Eulen, Eulen auf selbstgenähten Geldbeuteln. Ihr wisst, worauf ich hinaus will? Beim Wort Kreativmarkt geht bei mir die Klischeeschublade auf und es kommt ein buntes Potpourri aus Hipstern, Kichererbsen und DIY- Produkten zum Vorschein. Awalla e.V. jedenfalls hat letztes Wochenende zum Winter- und Kreativmarkt geladen. Ob der aber meine Klischees bedient hat, wie der Weihnachtsnerd in mir die Veranstaltung fand und ob awalla auch bei schlechtem Wetter geht erfahrt Ihr im heutigen Beitrag.

Könnt Ihr Euch erinnern? Einer meiner allerersten Beiträge handelte von der Enthüllung von awalla. Schon im März war ich von dem vorgestellten Saaleufer-Konzept begeistert, fragte mich aber auch, wie das Ganze bei schlechtem Wetter funktionieren soll. Letztes Wochenende ist es dann soweit. Bei kaltfeuchten Temperaturen hat der Verein zum Wintermärktchen geladen. Also dran die langen Unterhosen und los geht’s.

Das bunte Treiben sehen wir schon vom Parkplatz aus. Der ist kostenlos und groß. Für mich ein riesen Pluspunkt. Als wir die Autotüren öffnen, können wir bereits Musik hören. Sowas liebe ich. Man merkt dann gleich, dass schon Leute da sind, die Spaß haben.

Der Markt ist auf eine süße, minimalistische Art aufgebaut. Es wurde viel mit Paletten gearbeitet, denn Upcycling ist bei awalla Programm. Am Eingang sind gleich ein paar Verkaufsstände, zum Teil schon abgebaut, weil wir ziemlich spät dran sind. Hier gab es über den Tag Deko-Artikel und Selbstgemachtes. Noch anwesend ist aber Lena Wenz von “it’s cowtime” und verkauft ihre originellen Kalender. Ich erfahre, dass der “it’s cowtime Kalender” ein Projekt von ihr ist, mit dem sie vegane Lebenshöfe in Deutschland unterstützt. Dort können die Rinder ein freies und selbstbestimmtes Leben führen. Ich stelle mir glückliche Kühe vor, die bei ihrer wöchentlichen Therapiesitzung über Selbstverwirklichung reden. Die süßen Illustrationen in den Kalendern regen meine Phantasien noch an. Diese Kalender machen echt gute Laune. Und sie sind für eine gute Sache. Davon abgesehen sind Kühe keine Eulen. Super!

Die Stände sind mit Lichterketten dekoriert, von allen Ecken des kleinen Marktes leuchten Strahler in einer anderen bunten Farbe. Im vorderen Bereich steht außerdem ein Tippi. Es ist gemütlich mit bunten Kissen und Teppichen ausgelegt. Am Nachmittag konnten die Kleinsten hier eine Märchenerzählerin besuchen. Man sagt uns, dass im Zelt um die 30 Grad herrschen. Perfekt, um sich zwischendrin mal aufzuwärmen. Hier und da gibt es auch weihnachtliche Elemente. Ein paar Tannenzweige, einige Sterne, weiter vorne Lebkuchen und Plätzchen. Außerdem laufen gut gelaunte kleine Weihnachtswichtel herum. Die verteilen gegen eine Spende awalla-Buttons, die man sich an die Kleidung stecken kann. Spoiler: Ich habe meinen Pin heute immernoch an der Jacke, weil ich ihn jeden Tag sehe, mich über den Verein freue, und dann nicht über’s Herz bringe, ihn abzumachen.

Wir schlendern weiter und an dieser Stelle muss ich Euch erst mal was verraten: Ich bin ein schrecklicher Weihnachtsnerd. Ich kann mich in dieses Fest hineinsteigern, wie in kein anderes. Jedes Jahr auf’s Neue, versuche ich mich wieder in die kribbelnde Vorfreude hineinzufühlen, die ich als Kind empfand. Ich lasse die Lichter auf mich wirken, freue mich über bebilderte Adventskalender mit Glitzer und inhaliere Tannennadelduft. Dann werde ich sensibel, romantisch und mitfühlend. Glühwein trinke ich außerdem niemals vor dem 1. Advent. Ich nehme das mit der Besinnlichkeit sehr ernst, wisst Ihr? Dementsprechend bin ich auch angepisst, wenn im Oktober schon Lebkuchen in den Supermärkten stehen. Wer von Euch kauft die dann!? Echt jetzt mal, hört auf damit.

Da stehen wir also – ein Wochenende vor dem 1. Advent – und überlegen, was wir trinken sollen. Klar gibt es Glühwein. Das verstößt aber gegen meine Regeln. Kaltes Bier bei den Temperaturen finde ich auch blöd. Plötzlich kommt die liebe Rebekka, von Reepunzel Photographie, angeschneit und empfiehlt mir ein Glühbier. Ich lasse mir erklären, dass es sich dabei um Meinel Bockbier mit Saft und Glühweingewürzen handelt. Mein innerer Weihnachts-Sheldon sagt, dass das klar geht. Wir kaufen zwei Getränke, freuen uns, dass sie schmecken und laufen damit ein wenig durch die Leute. Dabei wärmt uns nicht nur das Bier von innen. Es gibt auch eine Feuerschale und viele beheizte Stehtische. Außerdem ist die Stimmung unter den Gästen spürbar warm. Man kennt sich. Und kennt man sich nicht, dann lernt man sich kennen.

Endlich kommt der Teil des Abends, auf den ich mich am meisten gefreut habe. Im Vorfeld habe ich nämlich gelesen, unsere Metzgerei Max würde Pulled Duck, eine Art Sonntagsbraten To Go, anbieten. Wir kaufen uns zwei Portionen. Als ich in meinen Imbiss beiße, fällt mir aber nicht mal das leckere Entenfleisch zuerst auf, sondern das unglaublich gute Brot außenrum. Ich weiß nicht, um welches Brot es sich handelt. Von der Form her erinnert es mich an ein klassiches Pita, das man zum Befüllen aufschneidet. Nur ist es dafür viel zu dunkel und es schmeckt auch zu rustikal. Und weil ich dunkles, rustikales Brot eigentlich nicht so gerne mag, fällt es mir auch so sehr auf: Es ist nämlich genau richtig herzhaft. Ente und Blaukraut werden perfekt vom Brot ergänzt, ohne überdeckt zu werden. Kräftige Gewürze mischen sich in mein Geschmackserlebnis. So gut!! Zufrieden mampfend beobachte ich, wie ein Mitarbeiter der Bäckerei Reinel einem winzigen Kleinkind mit Zipfelmütze ein Plätzchen schenkt. Am Lagerfeuer sitzt ein grauhaariges Pärchen aneinandergekuschelt. Junge Menschen tanzen vor dem DJ Pult. Hach. Der einzige Grund, warum ich nicht aus Versehen in Weihnachtsstimmung gerate, sind die Technobeats, die nicht besinnlich, dafür aber schön laut sind, weil wir neben der Box stehen.

Wir holen uns noch ein Getränk und beobachten den Feuerspucker. Ich weiß nicht warum, aber die vielen verschiedenen Elemente der Veranstaltung beißen sich nicht. Und das sage ich, die bunte Lichter am Weihnachtsbaum inakzeptabel findet. Die Macher von awalla schaffen es, traditionelles und modernes so harmonisch zu kombinieren, dass das Beste aus beiden Welten zum Vorschein kommt. Und das macht einfach Spaß.

Der Feuerspucker legt eine Pause ein und die Musik geht wieder los. Wir beobachten, wie die Mitarbeiter der Metzgerei Max in ihrem Stand tanzen. Auch wir tanzen ein wenig. Nach drei Stunden kurzweiligem Aufenthalt rufen wir ein Taxi, weil wir – Eltern werden hier wissend nicken – jetzt schon müde sind.

“Zu awalla??”, fragt mich der Mitarbeiter in der Telefonzentrale. Gespielt empört erkläre ich ihm den Weg zum Saaleufer. Doch tatsächlich motiviert mich sein Unwissen gleich umso mehr, Euch von der gelungenen Veranstaltung zu berichten. Wir haben hier etwas ganz Besonderes in unserer Stadt. Das sollte auch der letzte Hofer wissen. Und das war erst der Anfang!

3 Kommentare

  1. Liebe Jenny,

    Vielen lieben Dank für deinen unglaublich tollen Beitrag! Es freut mich zu lesen, dass es dir genauso gut gefallen hat wie mir 🙂

    Das Brot, das dir so geschmeckt hat heißt ‘Vinschgauer’; das backen wir beim Reinel jeden Freitag und Samstag. Gibt’s auch erst seit ein paar Wochen 🙂 Sag Bescheid, dann lege ich dir gern mal ein paar zurück!

    Liebe Grüße,
    Michaela

  2. Hey Jennifer,
    ja Kühe sind die neuen Einhörner! Auf jeden! 🙂 Danke Dir für den Beitrag! Hat mich wirklich sehr gefreut zu lesen.

    Eine kleine Anmerkung nur it’s cowtime ist ein ein-Frau-Herz-Projekt 🙂 Ist mir ein bisschen sehr wichtig.

    Kuhle liebe Grüße
    Lena

    1. Hallo liebe Lena,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und das liebe Feedback! Ich habe das im Beitrag gleich ergänzt 😉 Wenn du möchtest, schreib an dieser Stelle noch ein paar Infos für die LeserInnen dazu und verlinke Dich gerne <3

      Viel Erfolg und liebe Grüße,

      Jenny

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