Wirtwoche 4: Andreas Walter- der Bescheidene

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Habt Ihr es gesehen? Die Stadt ist bereits mit weiß-roten Fähnchen geschmückt. Für uns Hofer heißt das: Das Volksfest ist zum Greifen nah! Darum haben wir auch schon wieder Halbzeit bei den Wirtwochen. Die goldene Mitte bildet Festwirt Andreas Walter. Viel Freude beim Lesen!

 

 

Steckbrief

Name: Andreas Walter

Alter: 46 Jahre

Beruf:  Vermessungsbeamter

Aufgabenbereiche Volksfest:  Hausmeistertätigkeiten (reparieren, optimieren, Gefahrenstellen beseitigen)

 

Ein weiterer sonniger Tag in Hof an der Saale und ich treffe mich mit Andreas Walter am Jean-Paul Café, gleich eine Station neben Wärschtlamo Marcus. Als ich ankomme, unterhalten die beiden Kollegen sich natürlich über Organisatorisches. Kein Wunder, nur noch drei Wochen, dann ist endlich der Startschuss für’s Volksfest!

Gemeinsam suchen wir uns einen Platz vor dem Café. Einen, der “nicht so nah dran” ist an Marcus, wünscht sich Andreas lachend und ich fühle mich an meine Schulzeit erinnert, in der man gute Freunde immer auseinandersetzte, weil sie sonst nur Quatsch machten. Heute setzt man sich in weiser Voraussicht freiwillig auseinander. So ändern sich die Zeiten.

Zunächst sage ich Andreas, dass ich die Fotos liebe, die Björn für die Beiträge von den Festwirten geschossen hat. Vor allem das von Andreas gefällt mir. Er sieht so authentisch darauf aus. So echt und völlig entspannt. „Dabei ist das eigentlich nicht so meine Art“, erklärt er mir und meint damit das Zurschaustellen der eigenen Person. Dass dem so ist, bemerke auch ich im weiteren Gesprächsverlauf.

Andreas ist Vermessungsbeamter. Im Auftrag des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung kümmert er sich um Technik und Planung. Dabei berät er Gemeinden und Ingenieurbüros über Geodaten. Für Andreas bedeutet das die Notwendigkeit, Beamtensprache zu sprechen. „Man muss dabei wissen, wie Beamte ticken, das macht’s leichter“, erklärt er. Sich selbst sehe er allerdings als Dienstleister, obwohl auch er den Beamtenstatus hat. Außerdem erzählt er mir, dass er seit der Geburt seiner Tochter die eigene Arbeitszeit reduzierte, so dass er sich mittlerweile auf 80 % eingependelt hat. Muss ich Euch dazu sagen, dass mir da mein Feministinnen-Herz aufgeht?

Ich spreche Andreas auf die geniale Idee mit der Bierzeltkühlung im letzten Jahr an. Weil uns feiernde Hofer die Hitze im Zelt quälte, installierte man nämlich kurzerhand eine selbstkonstruierte Kühlungsanlage auf dem Dach. Mithilfe von Verdunstungskälte senkte man somit die heißen Temperaturen im Zelt. Weil ich dachte, die Kühlung sei Andreas‘ Idee gewesen, will ich ihm gerade Lob und Bewunderung aussprechen, als er mich sofort korrigiert. Die Idee habe er sich gemeinsam mit Roland ausgedacht, die beiden Festwirt-Hausmeister haben sie auch gemeinsam umgesetzt. „Ich würde mir das nie auf meine Fahne schreiben wollen“, betont er. Eine Haltung, die er mir immer wieder demonstriert. Wenn ich sage: „Du hast ja als Peters Trauzeuge auch seinen Junggessellenabschied organisiert“, sagt er: „Da waren die anderen auch schon beteiligt“. Wenn ich sage: „Du scheinst ein sehr hilfsbereiter Mensch zu sein“, sagt er: „Das sind wir aber ja alle“. Andreas mag sich und seine Person offensichtlich nicht gerne in den Vordergrund rücken, betont immer wieder die Gemeinschaft und verwendet das Wort „Ich“ sehr sparsam. Ich frage ihn deshalb, ob ich ihn im Beitrag den „Bescheidenen“ nennen darf und bekomme wahrscheinlich nur deshalb eine Zusage, weil mein Alternativvorschlag „der Hilfsbereite“ gewesen wäre.

Aufgaben delegieren kann der Mann aber offensichtlich trotzdem. Zumindest interpretiere ich das, als ich eine witzige Anekdote von ihm zu hören bekomme. „Das meiste, was wir Hausmeister machen, sind ja Reparaturen. Es kam aber auch schon vor, dass unser Bürgermeister, Florian Strößner, von der Bierbank hüpfte, den Boden beschädigte und das dann selbst reparieren durfte“, lacht er. Das hätte ich gerne gesehen. Allgemein würde ich alles dafür geben, das Volksfest einmal aus der Festwirt-Perspektive zu erleben. Naja gut, einen Tag davon vielleicht, dann würde ich lieber wieder feiern wollen. Natürlich ganz vorsichtig und ohne nachher Werkzeug benutzen zu müssen. Ich bin schließlich der Typ Mensch, der versucht, Schrauben rechts rum raus zu drehen.

Ein bisschen schnacken wir noch über das Leben in Hof. Dabei sind wir uns einig, dass man sich hier wunderbar vernetzen kann und auch etwas erreicht, wenn man das will. “Man muss halt freundlich sein”, sagt Andreas ein paar Mal dazu. Und ich finde, freundlich ist er auf jeden Fall!

 

2 Fragen an Andreas

1 Wenn du einen deiner Festwirt-Kollegen heiraten müsstest, welcher wäre das?

Der Peter, weil ich mit dem ja dann schon mal vor dem Traualtar stand. Obwohl – mit dem Björn hab ich ja schon meine Hochzeitsreise gemacht (lacht). Den habe ich nämlich eine Woche nach meiner Hochzeit in Paris mit dem Filmtage Team getroffen.

2. Stell’ dir vor, die Geschichte der fränkischen Volksfestwirt GmbH wird verfilmt. Welcher Schauspieler würde dich spielen?

Ich weiß nicht, wie der Schauspieler heißt, aber auf dem Junggesellenabschied in Nürnberg haben mich wildfremde, amerikanische Menschen “Alan” genannt. Sie fragten, ob ich den Film Hangover kenne und ob ich schon mal in Las Vegas war. Ich habe den Film aber selbst nicht gesehen.

Dem ist nichts hinzuzufügen, oder was meint Ihr? Ich wünsche Euch ein sonniges Wochenende <3

 

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