Kai Losert, der uns allen bekannte Sprecher bei Radio Euroherz, ist weit mehr als nur Radiomoderator. Er hat eine Vorliebe für die BeNeLux-Länder und deren Sprachen, ist Fan der Selber Wölfe, hat ein Faible für alte technische Geräte und findet den Vintage Bus der Hofer Stadtwerke toll, weil er früher das Busfahren liebte. Seine Leidenschaft für vergangene Zeiten macht sich aber auch noch durch etwas anderes bemerkbar: Die Facebook Gruppe „Hof History“, die er im Juli 2012 gegründet hat. Heute hat die Gruppe über 5.300 Mitglieder. Zeit, sie Euch in diesem Beitrag genauer vorzustellen.
Es ist Juni, als ich mich zum ersten Mal durch die Hof-History Gruppe bei Facebook klicke. Ich sehe ein paar schwarz-weiß Aufnahmen, alte Hofer Gebäude und darunter rege Diskussion darüber, in welchem Jahr die Fotos entstanden sein könnten. Ein bisschen erinnert mich das Ganze an Besuche bei meiner inzwischen fast 90-jährigen Großtante. Die Frau hat ein beeindruckendes Erinnerungsvermögen und so durften mein Vater und ich ihren spannenden Geschichten schon an einigen Nachmittagen lauschen, während wir alte Fotografien bestaunten. Die Wahrscheinlichkeit allerdings, dass die User der Gruppe auf meinem Bildschirm über 65 Jahre alt sind, geht gegen Null. Schließlich sind wir hier bei Facebook. Wer sind also die 5.300 Leute, die diese Community bilden? Und noch viel wichtiger: Warum kommt die Gruppe so gut bei den Hofern an?
Ein paar Monate später sitze ich in Kai Loserts Wohnzimmer, um zu erfahren, was es mit der Hof-History Gruppe eigentlich auf sich hat. Der Admin erzählt mir von seinem Grundgedanken: „Vielleicht kennst Du das auch, man merkt ja immer mal, dass sich Hof verändert. Ich bin ja Jahrgang ’74 und mir ging es immer so. Die Gebäude, die Straßenzüge – man kann sich an alles, was man als Kind gesehen hat noch irgendwie erinnern. Oft hat man aber auch Wissenslücken. Da dachte ich mir, Mensch, es müsste noch etwas geben, das man nicht nur aus dem Museum heraus kennt. Einfach, um mal 20-50 Jahre zurückzublicken. Also habe ich diese Facebookgruppe gegründet, um mal zu sehen, ob es jemanden gibt, der ähnlich denkt.“

Schon wenige Tage später zeigen sich die ersten Interessenten. Kai baut die Gruppe so auf, dass die Mitglieder ihre alten Fotografien oder Fundstücke dort veröffentlichen können. Per Kommentarfunktion können sie sich dann darüber austauschen. „Es darf aber nur Privatbestand hochgeladen werden – nichts, was schon irgendwie veröffentlicht ist“, erklärt Kai. „Schon allein wegen des Copyrights, aber vor allem, weil wir finden, dass es nicht immer das Museumswissen sein muss. Bei uns geht es darum, was eigentlich im Alltag der Menschen war.“ Dieser Grundsatz macht die Gruppe so besonders. Denn Alltags- und Amateurfotografien aus Zeiten, die so gar nichts mit unserer Generation Smartphone gemein haben, sind selten. Das verleiht den Aufnahmen einen besonders hohen histografischen Wert. Kurz nach der Gründung stößt außerdem Co-Admin Marco zur Community. „Er war ein absoluter Glücksgriff für die Gruppe, denn er ist einfach ein wandelndes Geschichtsbuch und bringt deshalb wirklich wertvolle Beiträge ein“, berichtet Kai.
Damit ich das Geschehen in der Gruppe besser nachvollziehen kann, holt Kai ein paar Fundstücke und Fotos heraus. Doch bevor er mir die erste Aufnahme zeigt, fragt er, ob ich mich erinnern kann, wie früher unsere Busfahrscheine ausgesehen haben. Gedanklich reise ich in meine Zeit als Busfahrerin zurück. Ich sehe mich als Jugendliche mit der Musik meines Discmans im Ohr in den hinteren Reihen sitzen. Mein DISCMAN. Kai lacht, weil ich so jung bin. Ich lache, weil ich mich alt fühle. Ich glaube, meine Busfahrkarte damals war gelb. Ich bin mir nicht sicher. Jedenfalls musste man sie im Bus abstempeln. Ich habe sofort das „Piep“ des Stempelgeräts im Ohr. Während ich mich laut erinnere, schmunzelt Kai. „Schau, das ist der Effekt, der bei Hof History entsteht. Da fangen die Leute an, nachzudenken und zu kommentieren und haben ihren Spaß daran, sich auszutauschen.“ Sein allererster Post als Gruppenadmin handelte von den Hofer Buskärtchen. Daraufhin sei eine lebhafte Diskussion darüber entstanden, welche Farben die Fahrscheine denn schon so hatten.

Die nächste Aufnahme zeigt einen Verkehrspolizisten an einer Kreuzung beim Busbahnhof. Im Hintergrund der heutige Treffpunkt. Ich frage, wann das war. „Das muss in den 60er Jahren gewesen sein“, erinnert sich Kai. „Das ist der Fugmanns Heiner, ein klassischer Verkehrspolizist. Damals gab’s ja noch keine Ampeln. Die Leute erzählen sich, er sei während seiner Laufbahn genau drei mal von seinem Podest gefallen. Es kam wohl auch mal vor, dass ihm ein Auto unten rangefahren ist. Manche sagen, man konnte sogar mal seine Päkchen kurz bei ihm stehen lassen, wenn man gerade einkaufen war. Das war eine absolute Marke in Hof.“ Mir wird die Dynamik in der Gruppe klar. Jeder trägt einen kleinen Teil dazu bei. Jedem fällt ein anderes Detail zu den Fundstücken ein.

Ein weiteres Bild zeigt unseren alten Zentralkauf im Jahr 1979 – zwei Jahre nach seiner Eröffnung. „Das Bild wurde von allen am meisten geliked“, freut sich Kai. „Es hat dermaßen Reaktionen und Emotionen ausgelöst. Die Leute sehen das und wenn sie die Zeit vielleicht sogar noch miterlebt haben, kommen Erinnerungen, die sie niederschreiben. Dann kommen welche, die überlegen, ob sie auch noch etwas haben, was sie dazu hochladen könnten und immer so weiter.“

Emotionen löst eine besondere Aufnahme auch bei mir aus. Sie zeigt die Altstadt, Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Genau dort und genau damals müssen sich meine Eltern kennengelernt haben. Neben dem Central Kino, dort wo man heute das Curry 8 findet, arbeitete meine Mutter im „Movie“. Eine Kneipe, in der mein Vater – schon damals leidenschaftlicher Rocker – Stammgast war. Es ist total verrückt, sich in diese Zeit hineinzufühlen, in der mein Leben sich schon langsam ankündigte. Kai sagt mir, dass genau das seine Intention war. Die Leute sollen zeigen, was sie zu Hause finden und jeder kann seine persönliche Geschichte dazu erzählen.

Ich sehe noch viel mehr interessante Fotos. Vom Brand der alten Spinnerei Moschendorf, Anfang der 80er, von der sogenannten ersten Freiheitshalle und vom damaligen Grosso (den kenne ich noch!!) Außerdem ein Foto, das belegt, dass früher echt mehr Schnee war.


Ich könnte mir stundenlang die alten Aufnahmen ansehen. Doch auch andere Relikte kann Kai mir noch zeigen. Eine Einkaufstüte von Gondrom – die Buchhandlung, in der ich früher immer mit meiner besten Freundin war. Einen Schlüsselanhänger mit dem alten Logo der Stadt, das Ende der 70er, Anfang der 80er noch existierte. Aber auch eine alte Sonderausgabe der Frankenpost zum Jahrestag des Mauerfalls.

Zum Schluss hat sich Kai noch ein Rätsel für mich überlegt. Er freut sich diebisch, als er mir eine rote Tafel mit einer 6 darauf präsentiert und sieht, wie ich angestrengt grüble. Meine erste Vermutung ist, dass es sich um ein Schild von einer Bushaltestelle handelt. Doch liege ich voll daneben und bekomme einen ersten Tipp: „An dem Ort, wo es diese Tafeln gab, war die vorherrschende Farbe gelb“, grinst mein Gegenüber. Gelb. Hm. Ich grüble nach und rate nochmal „Bus“. Kai lacht und sagt, er weiß, dass er fies ist. Ich verstehe wirklich nur Busbahnhof. Kais zweiter Tipp folgt: „Die Schilder gab es in einem Gebäude, sie waren also drinnen.“ 
Na super. Ein Gebäude, das innen vorrangig gelb war. Ich tippe auf die Post, aber natürlich wäre das viel zu leicht und Kais Grinsen wird immer breiter. Ich frage mich, was es da eigentlich so geheimnisvoll zu Grinsen gibt. Als er mich endlich erlöst, fällt es mir jedoch wie Schuppen von den Augen: Die Tafeln stammen von den Sitzreihenaufgängen der alten Freiheitshalle. „Die waren ja gelb! Stimmt ja! Das hatte ich ganz vergessen!“, rufe ich und Kai freut sich offensichtlich, mir zum Abschluss nochmal einen Effekt der Hof History Gruppe am eigenen Leib demonstriert zu haben.
Denn darum geht es in der außergewöhnlichen Facebook Community. Um’s Erinnerungen wecken und sich daran erfreuen. Um den Austausch von persönlichen Geschichten und Emotionen. Um ganz viele „Schau-Mals“ und „Weißt-Du-Nochs“. und „Stimmt-Jas“. Ganz ohne kommerzielles Interesse, ganz friedlich. Und das ist wirklich eine tolle Sache.
Also: Wenn Ihr die Inhalte von Kais Gruppe spannend findet, dann tretet ihr bei, stöbert Euch durch die Hofer Geschichte und steuert aktiv Eure eigenen Fundstücke bei. Sharing ist nämlich caring. Sagt Kai.

Die gute alte Zeit! Bin 1966 geboren und in den schönen siebziger und achtziger Jahren aufgewachsen. Damals war Hof noch eine blühende Kleinstadt. Ich habe damals im Zentralkauf gelernt , 1982 bis 84, direkt nach der Schule. Auch im alten Grosso ehemals Ezo war ich Stammgast. Wir sind damals ohne Computer und Handy aufgewachsen. Zum Glück. Vieles von damals gibt es nicht mehr. Viele Geschäfte sucht man vergebens. Spielwarengeschäfte gibt es jetzt keine mehr. Damals noch den Stemmler, den Vorgänger des Niederwaldes oder den Eisen Rödel in der Pfarr. Den Samen Starke in der damals noch mit vielen Läden besiedelte Einkaufsstraße unterhalb des noch schönen Bahnhofs in der Königstraße. Nicht zu vergessen der Kaufhof und direkt gegenüber das Speisehaus Kramer wo ich Sonntags frisch gegrillte Hühnchen holte. Auch in der Königstrasse der „Blechschmidt“. Da gab es neben Spielsachen alles für die Schule die praktischerweise gleich weiter oben war. Die Supermärkte „Norma“ und „Alfa“. Dazu die „Quelle“ das gleichnamige Versandhaus wo ich mir das erste Telespielgerät von Atari kaufte. Gleich daneben das „Scalakino“ das mittlerweile auch geschlossen ist. Damals hieß das Motto noch „Hof in Bayern ganz oben“!
Und heute? Heute sollte das Motto heißen „Hof in Bayern ganz unten“! Der Bahnhof ein dreckiger kaputter Schandfleck. Der Zentralkauf abgerissen und eine große Müllhalde und jetzt Parkplatz seit vielen Jahren weil das „Schillerquartier“, das eigentlich 2023 Baubeginn gehabt hätte, immer noch nicht gebaut wird. Kein Wunder bei einer SPD geführten Stadt. Dazu wo ich hin sehe nur braune Gestalten aus dem Nahen Osten die nicht nur aus der Stadt sondern aus dem ganzen Land eine Kriminalitätshochburg machen. Die ganzen erwähnten Geschäfte gibt es nicht mehr. Wenn man vom Schandfleck Hauptbahnhof die Königstraße herunterläuft sieht man hüben und drüben nur noch leere Geschäfte die viele Jahre leer stehen oder türkische und arabische Läden. Heruntergekommene Häuser und leere Gebäude die schon längst abgerissen gehören wie das „Petit Paris“ in der Landwehrstraße, wo ich gewohnt habe. Hier konnte man Abends als Kind und als Frau noch alleine raus gehen. Das geht heute nicht mehr. Früher war alles besser heißt der Spruch! Und das ist auch die Wahrheit. Da gab es die gute alte Deutsche Mark mit der man ordentlich einkaufen konnte für 50 bis 100 Mark. Und dann kam der Niedergang mit dem Euro , genannt zurecht auch Teuro. Für das gleiche Geld wird gerade einmal der Boden des Einkaufswagens bedeckt. Damals war der Winter in Hof auch noch ein echter Winter wo es monatelang geschneit hat. Heute spielt sogar das Wetter verrückt. Wenn es mal 10 Tage zwischen Dezember und März ordentlich schneit dann ist das viel. Nach all den Jahren des Zentralkaufs der ja Ende 2007 schloss inklusive des Busbahnhofs hat sich bis heute nichts getan. 3 Jahre Leerlauf. Heute gibt es praktisch nur noch wenige Geschäfte oder Hotels die überlebt haben. Alle Brauereien weg außer die Meinel. Das Hotel Strauss gibt es noch. Selbst der Theresienstein wurde mit samt des Kleinzoos noch nicht abgerissen. Das Hallenbad und Freibad gibt es auch noch. Der alte Luftsteg wurde protzig umgebaut. Da ging ich immer drüber auf den Weg zur Münsterschule. Der Sport Frank ist auch noch da. Der Sport Hopf lange nicht mehr. Die alte Freiheitshalle ist weg. Viele Sparkassen und Apotheken und Metzger und Bäckereinen sind unter gegangen. Würde mich freuen wenn noch andere Fotos hier eingestellt würden.
Gruß
Stefan Schmitt
Vielen Dank für diesen super Historischen Beitrag über Hof!
Ich bin ja aufgewachsen in then 50 er bis spät 60er Jahren in Hof.
Von dem Polizist am Strauß da muß ich irgendwo auch ein Bild haben .Muß da mal in meiner alten Fotokiste nachschauen. ?❤️
Seit dem lebe ich ja im Ausland( US) .
Bin jedes Jahr in Hof für eine kurze Zeit und sehe wie Hof sich verändert hat. Manche Veränderungen mit einem So So Gefühl .Da sind aber auch viele andere Veränderungen die Super sind !
Es bleibt halt nichts so wie es ist und finde es schön solche Geschichts Beiträge zulesen und die alte Heimat nicht Vergessen.
Vielen Dank EM